01. Oktober 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

angesichts der sogenannten Corona-Krise scheint alles für eine umfassende kosmopolitische Reaktion zu sprechen: „Wir sind nicht wirklich sicher, solange wir nicht alle in Sicherheit sind – jedes Dorf, jede Stadt, Region und jedes Land der Welt“ schreiben die Europäische Union und ihre Regierungschefs im Mai 2020 an die Bürger*innen Europas. Und doch ist die leibhafte Erfahrung eine ganz andere: wir werden begrenzt auf das Nationale, das Regionale, ja das Kommunale, wenn nicht sogar auf die eigene Wohnung. Während das Problem nur weltumfassend angegangen werden kann, begrenzen uns die aktuellen Lösungen auf den Raum des Privaten. Kosmopolitismus aber denkt umfassend und ent-grenzend:

„Die Kosmopoliten betrachten alle Völker des Erdbodens als ebenso viele Zweige einer einzigen Familie, und das Universum als einen Staat, worin sie mit unzähligen andern vernünftigen Wesen Bürger sind, um unter allgemeinen Naturgesetzen die Vollkommenheit des Ganzen zu befördern, indem jedes nach seiner besondern Art und Weise für seinen eigenen Wohlstand geschäftig ist.“ [Christoph M. Wieland, Teutscher Merkur, 1788, S. 107]

Was heißt kosmopolitisches Denken (nicht nur) in Zeiten von Corona? Damit beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe des Magazins für Kunst, Kultur, Theologie und Ästhetik vor allem in philosophischer Perspektive. Die Heftredaktion dazu lag in den Händen der Philosophin Frauke A. Kurbacher, die seit längerem dieses Magazin mit Artikeln begleitet. Sie hat Kolleginnen und Kollegen gebeten, ihre Beiträge für dieses Heft zur Verfügung zu stellen. Das Ergebnis liegt Ihnen nun unter dem Titel Weltbegebenheiten vor:

Unter VIEW finden Sie einleitende Bemerkungen zur Anlage des Heftes und einen grundlegenden Text über „Weltbürger sein – Weltbürger werden – weltweit“ von Frauke A. Kurbacher. Über die Dimensionen eines kritischen Kosmopolitismus schreibt Soraya Nour Sckell. Skizzen zu einem Kosmopolitismus-Begriff für das 21. Jahrhundert liefert Ihnen Eric Eggert. Über „Transformationen des Kosmopolitischen zwischen Phänomenologie und Dekonstruktion“ reflektiert Till Heller. Good-bye Europa, meint Wolfgang Heuer und fordert „eine kosmopolitische Perspektive auf unsere gemeinsame Welt“. Und Moritz Riemann steuert Überlegungen zu Fremdheit, Ausschluss und dem Kosmopolitismus der Geschundenen bei. Im Vorgriff auf die ausgeschriebene Preisfrage zu Malewitschs Kunstwerk (siehe dazu Ist das Schwarze Quadrat von Malewitsch ein rassistisches Kunstwerk?) schreibt Karin Wendt über „Das Schwarze Quadrat, eine Notiz und was daraus folgen könnte“.

Unter ESSAY liefert Wolfgang Vögele umfassende „Bemerkungen zum Verhältnis von öffentlicher Theologie und politischer Ethik der Macht“, deren ersten Teil wir in dieser Ausgabe des Magazins publizieren und den zweiten Teil im Dezember-Heft liefern. Dann wird es auch eine PDF-Datei mit dem Gesamttext geben.

Unter RE-VIEW erkundet Barbara Wucherer-Staar einige Ausstellungen, die im Kontext des Heftthemas gelesen werden können. Andreas Mertin stellt einige Bücher vor, die in der Zwischenzeit auf dem Tisch der Redaktion gelandet sind.

Die CAUSERIEN beinhalten kursorische Anmerkungen von Andreas Mertin zu den Elf Leitsätzen des Z-Teams der EKD.

In der Rubrik IMPULS gibt es noch zwei Erinnerungen von Andreas Mertin an ältere Filme, die von Lebensbrüchen und existentiellen Krisen handeln.

Das nächste Heft 128 des Magazins für Theologie und Ästhetik steht dann unter der Überschrift „Religiöse Kulturhermeneutik“. Wem zu diesem Thema etwas einfällt, den laden wir zur Mitarbeit ein.

Für dieses Heft wünschen wir eine erkenntnisreiche Lektüre!

Andreas Mertin, Jörg Herrmann, Horst Schwebel, Wolfgang Vögele und Karin Wendt


Heft 128: Religiöse Kulturhermeneutik (1.12.2020; Redaktionsschluss 15. November 2020)

Heft 129: Biographisches (01.02.2021; Redaktionsschluss 15. Januar 2021)

Leserinnen und Leser, die Beiträge zu einzelnen Heften einreichen wollen oder Vorschläge für Heftthemen haben, werden gebeten, sich mit der Redaktion in Verbindung zu setzen.

Übersicht aller bisher erschienenen Texte

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