Eingedenken

Konsensverschiebungen in einer globalisierten Welt

Andreas Mertin


Eingedenken bezeichnet ein geschichtliches Bewusstsein und eine Form des Erinnerns,
in der die Vergangenheit nicht als etwas Abgeschlossenes begriffen und verklärt,
sondern im Gegenteil ihre Gegenwärtigkeit betont wird.


Der folgende Text über das Eingedenken[1] der Schoah umfasst zwei zu unterscheidende, aber aufeinander bezogene Teile:

  • „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“
    Zunächst einen Text, der sich allgemein auf die Veränderungen im Umgang mit der Erinnerung an die Schoah bezieht, also wie man visuell, symbolisch und kognitiv ‚Auschwitz‘ vergegenwärtigt. Hier zeigt sich ein Trend von der konkreten Konfrontation zur symbolischen Abstraktion.

  • „dein goldenes Haar Margarete“
    Dann einen Text, der sich konkret an einem Beispiel damit beschäftigt, wie heute junge Influencer[2] mit ihrer Verantwortung gegenüber der Geschichte und dem Leiden der Opfer in Auschwitz umgehen, wie sie also das heute abstrakt vergegenwärtigte „Auschwitz“ wahrnehmen und in ihre Lebensphilosophie integrieren. Das hätte man am Beispiel von Kollegah und Farid Bang machen können (s. dazu den entsprechenden Artikel in Heft 113[3]), hier aber geschieht es am Beispiel einer Mode-Influencerin. Dass dies auch unter dem Aspekt ihrer Religion geschieht, hat damit zu tun, dass sie selbst dieses Argument zur Apologie eingebracht hat.

Die Überschriften zu den beiden Teilen sind der Todesfuge von Paul Celan entnommen.[4]

Anmerkungen

[1]    Vgl. zum Begriff des Eingedenkens insbesondere bei Walter Benjamin: Marchesoni, Stefano (2013): Walter Benjamins Konzept des Eingedenkens. Über Genese, Stellung und Bedeutung eines ungebräuchlichen Begriffs in Benjamins Schriften. Dissertation. Berlin: Kadmos.

[3]    Vgl. Mertin, Andreas (2018): Gefährliche Konsensverschiebungen. Echolot – Oder: Etwas läuft falsch in unserer Republik. In: tà katoptrizómena - Magazin für Kunst | Kultur | Theologie | Ästhetik, Jg. 20, H. 113. Online verfügbar unter https://www.theomag.de/113/am630.htm.

[4]    Vgl. den Wikipedia-Artikel zum Gedicht mit Hinweisen zu einzelnen Versen: https://de.wikipedia.org/wiki/Todesfuge

Artikelnachweis: https://www.theomag.de/115/am640.htm
© Andreas Mertin, 2018